FAHRBERICHT

Ökopapst Prius der Dritte

Mit der neuen Generation seines Vorzeigehybriden möchte Toyota die Gemeinde der umweltbewussten Autofahrer vergrößern.

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Unsere Vorfreude auf den Sparmeister war nicht unberechtigt.
Der Hybrid gefällt mit einem dynamischen Auftritt, den niedrigen cw-Wert von 0,25 glaubt man auch ohne Windkanaltest. Ein erfrischendes Frontdesign und die aerodynamische Karosserie lassen den Japaner überraschend schnittig wirken.

Die Frage wie er sich fährt brennt unter den Fingernägeln.
99 PS bringt der Benziner in die Arbeitsgemeinschaft ein, der Elektromotor beteiligt sich mit 60 KW. Gemeinsam bilden die Komponenten das "Hybrid Synergy Drive" mit einer Systemleistung von 136 PS. Zur Fortbewegung kann zwischen verschiedenen Antriebsmodi gewählt werden. Je nach Einstellung wird der Benziner mehr oder weniger zur Verantwortung gezogen - was naturgemäß starken Einfluss auf Verbrauch und Akustik hat.

Umwelttechnisch macht der EV-Modus, in dem sich der Prius bis maximal 50 km/h und knapp 1,5 Kilometer weit voll elektrisch bewegen lässt, am meisten Freude. Realitätsnaher sind freilich der Eco und der Power-Modus, wobei nach dem Drücken des Starterknopfes der Eco als Grundeinstellung dient.

Das Prinzip des Entschleunigens.
Es dauert nicht lange und der Prius macht sich seinen Piloten Untertan. Gefesselt von der Verbrauchs- und Kraftflussanzeige ertappt man sich bereits nach wenigen Kilometern bei der Jagd nach immer neuen Verbrauchsrekorden. Eine Vier vor dem Komma wird gelebte Realität, am liebsten möchte man das Gaspedal überhaupt nie voll durchtreten. Am intensivsten ist dieses "Geiz ist geil"-Gefühl im städtischen Bereich. Hier kann man die Ressourcen des Elektromotors voll ausschöpfen, wird der Verbrauchsvorteil gegenüber herkömmlichen Motoren wirklich beeindruckend.

Fordert man den Benziner, ist es damit schnell vorbei.
Hauptsächlich Autobahnen und längeren Steigungen machen die Grenzen des Hybriden deutlich. Bei zügiger Fahrweise werden schon mal knapp acht Liter auf 100 Kilometern verheizt. Begleitet wird das von einem gequält aufheulenden Benziner, der beim Beschleunigen in jenem Drehzahlbereich verharrt, in dem er den besten Durchzug liefert.

Wechselt man in den Power-Modus, wird der Verbrauchsbeschleuniger noch stärker eingebunden. Das mehr an gebotenem Schub ist zwar spürbar, von einer Leistungsentfaltung á la TSI &co. ist man aber so weit entfernt wie Tokio von Wolfsburg. Eine echte Kraft der zwei Herzen bleibt dem Prius verwehrt. Also besinnen wir uns wieder seiner Stärken, wechseln zurück in den Eco-Modus und gehen völlig auf in der passenderen passiven Fahrweise.

Was kann Hollywood´s darling sonst noch?
Vor lauter Hybrid und Technik hat Toyota freilich nicht vergessen, ein grundsolides Auto auf die Straße zu stellen. Der Prius bietet Insassen und Gepäck ausreichend Platz. Die brückenförmige Mittelkonsole ist ein echter Blickfang, die großflächige Kunststofflandschaft eher weniger. Die Ergonomie der Bedienung ist schnell durchschaut, die Digitalinstrumentierung verlangt ein wenig Eingewöhnungszeit. Dank ausgewogenem Fahrwerk und direkter Lenkung lässt sich der Japaner auf Landstraßen wieselflink bewegen, die standfesten Bremsen vervollständigen das positive Fahrerlebnis.

Fazit
Unser Testwagen war mit der Top-Ausstattungslinie Premium gesegnet, welche den automobilen Alltag u.a. mit Features wie Head-up Display, Klimaautomatik und Solar-Schiebedach erleichtert. Das alles kostet natürlich keine Kleinigkeit. Die Preisliste weist für den Prius Premium immerhin € 30.061,20 auf.

Dafür erhält man einen Sympathie- und Technikträger, ein Auto mit Charakter das viele Interessen weckt. Wir durften mehr technische Fragen beantworten und Mitfahrgelüste befriedigen als bei den Meisten unserer Testfahrzeuge. Der erzielte Durchschnittsverbrauch von 5,3 Litern ist sensationell und lässt erahnen welches Potential in der Hybridtechnik liegt.

Fahrbericht: Ökopapst Prius der Dritte
Verfasser: r.b. Fotos: o.w.
Bericht vom 26.07.2010

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