Elektro-Antrieb im Alltag
Die erste Begegnung mit dem Mitsubishi i-MieV liegt ja schon
ein paar Monate zurück. Damals lud uns Mitsubishi Österreich zu
einer kurzen Spritztour mit einem Vorserienwagen ein. Auffällig
Rot-Weiß lackiert und rechtsgelenkt waren wir schon damals
ziemlich beeindruckt vom unkomplizierten Wesen des i-MieV.
Jetzt gibts den Stromer als ersten seiner Art auch
wirklich zu kaufen.
Unser strahlend blau lackierter Testwagen gehört zwar nicht zu
den automobilen Schönheiten, aber irgendwie passt das
futuristische Design ganz gut zur Antriebsart. Das Lenkrad
befindet sich jetzt links und überhaupt macht das Fahrzeug
einen absolut wertigen und robusten Eindruck. Auffällig ist
lediglich der lange Radstand und die geringe
Fahrzeugbreite.
Ein Druck auf den "Zünd"-Schlüssel öffnet den
i-MieV.
Es sitzt sich ganz bequem - auch hinten finden zwei Erwachsene
ausreichend Platz. Der Kofferraum ist zwar brauchbar, lediglich
unser extra bestelltes 10-Meter Kabel benötigt inklusive Trafo
einen erklecklichen Teil davon. Der i-MiEV gibt innen keine
Rätsel auf - alles typisch japanischer Kleinwagen. Nur die
Armaturen weichen ein wenig von der Norm ab. Im Zentrum
informiert die Anzeige digital über die Geschwindigkeit.
Anstatt des Drehzahlmessers wird angezeigt, wie effizient man
unterwegs ist, bzw. ob durch Verzögerung wieder Energie
rückgewonnen wird. Den Platz der Tankuhr übernimmt eine
Reichweitenanzeige - sicher die interessanteste Anzeige für
einen i-MieV-Novizen.
Gestartet wird wie gewohnt: Schlüssel drehen und nach
dem Aufleuchten des "Ready"-Lamperls kanns losgehen.
Es stehen drei Fahrprogramme zur Verfügung: Neben dem
Normalprogramm "D" gibt es das Programm "B" mit stärkerer
Rekuperation und einen Komfortmodus ("C") für lockeres
Dahingleiten Überland. Meistens ist der i-MIEV mit dem D-Modus
bestens unterwegs. Als E-Neuling durchlebt man im Regelfall
mehrere Phasen, bis man die neue, beinahe völlig lautlose
Fortbewegung verinnerlicht hat:
Phase 1 - Gleiten und Reichweiten-Hamstern
Die ersten Kilometer sind geprägt vom eisernen Willen, die
angegebenen 150 Kilometer zu schaffen. Gleiten, nicht zuviel
Bremsen und gefühlvolles Streicheln des Strompedals lassen die
Reichweitenanzeige nur zögerlich geringer werden. Sehr
hilfreich ist das Einlegen des "B"-Programms vor Ampeln oder
beim Anbremsen von Kurven. Im Schiebebetrieb pendelt der Zeiger
in den linken Charge-Bereich - dann kann es vorkommen, dass die
digital angezeigte Reichweite sich sukzessive erhöht. Reisst
man sich ein wenig zusammen, sollte eine Reichweite von bis zu
150 Kilometern drinnen sein - wir waren jedenfalls knapp dran.
Das ist zwar nicht lustig, befriedigt Phase 1 aber vollends.
Kommen wir zu
Phase 2 - Glühen und Laden
Irgendwann kommt man drauf, dass der i-MieV auch noch ein
zweites Gesicht hat. Das Gesicht jenseits der ECO-Zone.
Meistens animieren Drängler im Heck das Strompedal etwas
kräftiger zu melken. Der Zeiger schwenkt dann rasant nach
rechts in den "bösen Bereich" und der i-MieV bekommt Flügel.
Noch immer relativ geräuschlos beschleunigt der Wagen dank 180
Newtonmeter ab Umdrehung Null wie am Gummiband gezogen - durch
den fehlenden Motorsound fühlt sich das Ganze auch noch viel
dramatischer an. Und der oben angesprochene ehemals drängelnde
Verkehrsteilnehmer im Rückspíegel hat alle Mühe dran zu
bleiben.
Vorsicht vor der Schildkröte
Parallel zum forschen Vortrieb rasselt die Reichweiten-Anzeige
nach unten. Und wenn dann auch noch das Schildkröten-Lamperl
aufleuchtet, sollte man sich schleunigst eine Steckdose suchen.
Solche Aktionen macht man am besten auf dem Nachhauseweg. Dann
benötigt man rund sieben Stunden für die Voll-Ladung - am
besten über Nacht.
Phase 3 - Das wirkliche Leben mit dem Mitsubishi
i-MieV
Irgendwann hat man die ersten beiden Phasen vollzogen und
gleitet mit dem i-MieV in den Alltag. Man hat sich an die
Stille gewohnt und möchte gar nicht mehr aufhören zu stromern.
Wer ihn als Stadtfahrzeug, bzw. als Pendelfahrzeug aus dem
Speckgürtel in die City benutzt, kommt mit einer Voll-Ladung
ganz schön lange aus. Voraussetzung ist natürlich bewusst
defensives Fahren, perfektes Wetter (weder Kälte noch Hitze
sind der Reichweite zuträglich) und die Vermeidung der Autobahn
(= Reichweitenkiller Nummer 1).
Am Ende der Woche wollten wir unseren Stromer gar nicht
mehr hergeben.
Mitsubishis e-Mobilität macht wirklich jede Menge Spaß und
bereitet so gut wie keinerlei zusätzliche Umstände. Einzige
Voraussetzung ist, den i-MieV sinngemäß zu verwenden (bitte
keine Fernreisen). Und nicht zu vergessen: Ein gut gepolstertes
Konto ist bei 35.900 Euro Kaufpreis auch von Nöten.
Mitsubishi i-MieV
Technische Daten / Preis:
Motor: Synchron Elektromotor mit Permanent-Magneten
Leistung: 47 kw / 64 PS
Antrieb: Heckantrieb
Vmax: 130 km/h
max. Reichweite: 150 km
Preis: EUR 35.900,-
Verfasser: g.b. Fotos g.b.
Bericht vom 11.07.2011