FAHRBERICHT

Völlig umsonst

Die ganze Aufregung. Wegen zwei gestrichener Zylinder. Ändert genau nichts an Charakter und Souveränität des Jaguar XF.

 Drucken

Der aktuelle Jahrgang unterstreicht diese Eigenschaften noch.
Nicht das jetzt irgendwer nach einem neuen Look geschrien hätte. Jetzt wo er da ist sind wir aber froh. Dass er da ist. Geschuldet ist das überwiegend den neu gezeichneten Scheinwerfern. Markanter und auch grimmiger lässt vor allem das LED-Tagfahrlicht mit J-förmiger Signatur Freund und Feind an der Präsenz des XF teilhaben. Rückleuchten, Grill und Frontpartie wurden ebenfalls modifiziert.

Seine Schönheit und Eleganz betören auch das unbestechliche Auge des Gesetzes.
Nach zwei gefahrenen Kilometern gab es eine Fahrzeugkontrolle. Als anständiger Testfahrer war ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit allem Wesentlichen vertraut: Wie viel ist der Tacho angeschrieben und wo aktiviere ich die Sitzheizung! Der Beamte wollte nichts dergleichen wissen. Surprise, surprise. Besonders die Suche nach dem Pannendreieck - wohl gekleidet und gut getarnt in beinahe edlem Zwirn - gestaltete sich schwierig. Half aber, den nobel ausgekleideten Kofferraum und seine 500 Liter Fassungsvermögen zu inspizieren. Was lernen wir daraus? Im Jag lebt es sich selbst als Verbandspackerl oder Urlaubsgepäck feudal.

Die Fahrt zum Feriendomizil könnte dabei das eigentliche Highlight des Urlaubes sein.
Was uns zum Kernstück des neuen XF bringt - dem Vierzylinder-Dieselmotor mit 2,2 Liter Hubraum und 190 Pferden. Die Beweggründe für seine Implantation mögen vielfältig gewesen sein, vom Umweltgedanken über Senkung des Flottenverbrauchs bis hin zum Eröffnen eines neuen Schlachtfeldes gegen die deutsche Armada. Um all dies bewerkstelligen zu können bekam der kleine Rudolf allerlei nette Gimmicks mit auf den Weg: Die superbe 8-Gang Automatik, ein auffällig unauffälliges Stopp/Start-System und bis in die Zehenspitzen motivierte 450 Newtonmeter.

Sie ahnen es wohl schon wo dass alles hinführt.
Genau. In höchst zufriedenstellenden, nie langweiligen, selten zu langsamen dafür immer druckvollen Vortrieb. Mag manch kritischer Geselle ein vernehmliches Knuspern beim Kaltstart bekritteln, so ist das nach wenigen Metern schon wieder vergessen. Die Achtstufenautomatik weiß immer was zu tun ist, verrichtet ihre Arbeit ruckfrei und drehzahloptimierend. Wesentliche Begleiterscheinung ist ein fast erschütternd niedriger Durchschnittsverbrauch. Selbst beim Sterne putzen auf deutschen Autobahnen konnten wir dem Bordcomputer keine Sieben vor dem Komma entlocken. 6,7 Liter waren es am Ende. Sehr gut. Setzen.

Was wir in dem mit "Luxury Interieur" ausgestatteten Testwagen gerne tun.
Ein unverzichtbares Extra, beinhaltet es unter anderem doch elektrische Ledersitze und Paneele in - bitte auf der Zunge zergehen lassen - Rosenholz seidenmatt. Klingt schön. Und ist es auch. Leder und Aluminium sind ebenso selbstverständlicher Teil des Interieurs wie die ganze "JaguarDriveSelector raus, Lüftungsdüsen auf"-Show. Bringt in Wirklichkeit nix, macht aber diesen feinen Unterschied zu teutonisch herkömmlichen Cockpits aus. Selbiger tut sich leider auch bei der Bedienung des Festplatten-Navi´s auf. Beinah sämtliche Komfortfeatures drängen sich am Touchscreen zusammen, was die eh schon verwirrende Bedienung zusätzlich verkompliziert.

Das ist nicht weiter tragisch.
Weil wir sitzen ja in einer Sportlimousine. Um die Bedienung soll sich der Beifahrer kümmern, wir fühlen lieber den sportlichen Eigenschaften des Jag´s auf den Reifen. Und zweifellos, die hat er. Präzise Lenkung, straffes Fahrwerk mit komfortablen Talenten und Hinterradantrieb verleihen dem XF das Ideale Maß an Dynamik. Agiles Fahren eingebettet in Rosenholz seidenmatt. Zu schön um deutsch zu sein.

Der Einstieg in die XF-Welt beginnt bei verträglichen EUR 47.900,--. Die kann man gleich wieder vergessen, denn zumindest ohne angesprochenes "Luxury Interieur"-Paket sollte kein Jaguar die Verkaufshalle verlassen.


Daten Jaguar XF 2.2 D
Motor: Vier-Zylinder-Diesel, 2179 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 140 kW / 190 PS bei 3500 U/min
Maximales Drehmoment: 450 Nm bei 2000 U/min
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Testverbrauch: 6,7 Liter
Kofferraumvolumen: 500 l
Preis des Testwagens: EUR 54 636,--

Fahrbericht: Völlig umsonst
Verfasser: r.b. Fotos g.b.
Bericht vom 23.11.2011
WEITERE BERICHTE

Inhalt & Verfassung © 2012 fahrfreude.cc