Jetzt steht er vor uns. Die Land Rover Pressestelle hat
uns ein Coupé vergönnt.
Bullig. Aber dennoch um Häuser kleiner, als er auf den
Vorab-Fotos rüberkommt. Kein Wunder, überragt ihn sogar der gar
nicht große Tiguan längenmäßig. Erster zwiespältiger Eindruck:
dieses langweilige Westminster-Blau steht dem Evogue nicht
wirklich - das Auto schreit nach Fuji-Weiß. Zusammen mit dem
niedrigen dunkel getönten Fensterband ergäbe das wahrscheinlich
genau das Abbild der hinreissenden Design-Studie, mit der alles
begann.
Große Räder wohnen in bauchigen Kotflügeln.
Achtzehn Zoll empfehlen wir als optisches Minimum. Range Rover
bietet aber auch 19 oder 20 Zoll an. Überhänge gibt´s so gut
wie keine - quasi an jeder Ecke ein Rad. Das macht den Evogue
ungemein bullig - im wahrsten Sinn des Wortes bodenständig. Was
dem Evogue gänzlich fehlt ist jede Art von Aggressivität. So
überwiegen die positiven Passanten-Reaktionen - angenehm,
wenn´s so viel Feedback gibt.
Einsteigen und wohlfühlen.
Entriegelt wird standesgemäß Keyless. Die Ledersitze sehen
nicht nur gut aus, sie sind auch superbequem. Was für ein
Raumgefühl! Das liegt zum Einen an der üppigen Fahrzeugbreite,
zum Anderen am riesigen Glasdach des Testwagens. Da fallen die
niedrigen "Sehschlitze" hinten gar nicht mehr so unangenehm
auf. Zumal man im Fond ebenfalls feine Platzverhältnisse
vorfindet. Reinklettern muss man halt erst mal - Familien raten
wir eindeutig zum nicht minder stylishen Fünftürer.
Jede Menge Liebe zum Detail.
Der feine in die Handfläche surrende Automatik-Knopf hat uns
schon im Jaguar XF gefallen. Die saltoschlagenden Luftdüsen
gibt´s leider nicht. Dafür jede Menge weitere originelle
Detaillösungen - vom Softtouch-Innenlicht bis zur
Umfeldbeleuchtung mit Evogue-Logo. Ebenso nett wie sinnfrei
präsentiert sich die CO2-Ausstoss-Anzeige beim Aktivieren des
Tempomats - zumal sich unser 190 PS-Test-Evogue nicht unbedingt
als Sparefroh gebärdete. Aber davon später.
Liebling der Laterndlparker.
Unser Evogue-Test fiel genau mit dem ersten Wintereinbruch des
Jahres 2011 zusammen. Eiskratzen und Schneekehren blieb uns
aber dennoch weitgehend erspart. Erstens tauen die Heizdrähte
in Front- und Heckscheibe blitzschnell die Sicht frei und aus
einem unerfindlichen Grund blieben die vorderen Seitenscheiben
sogar bei massiven Minustemperaturen eisfrei. Das Auftauen des
Fahrers übernehmen dann Sitz- und Lenkradheizung.
Mit dem 190 PS Turbodiesel ist der Evogue fein aber
nicht üppig motorisiert.
Der Turbodiesel gefällt vor allem mit zurückhaltender Akustik
und cremiger Kraftentfaltung. PS-Fetischisten würden sich
vielleicht noch ein paar Zusatz-Pferdchen wünschen, aber das
ist Kritik auf höchster Ebene. Für den flotten österreichischen
Alltag reichts allemal. Dass wir mit unserem Evogue permanent
an der Neunliter-Marke kratzten, hat uns ehrlich gesagt schon
gewundert, zumal genau dieser Motor im
Jaguar XF 2.2d im
Fahrfreude-Test nur 6,7 Liter Diesel konsumierte. Aber
vielleicht braucht unser Testwagen noch ein paar
Einfahr-Kilometer.
Das Zusammenspiel mit der 6-Gang-Automatik funktioniert klaglos - hier hat uns der S-Modus besonders gut gefallen. Wer unbedingt händisch eingreifen möchte, betätigt die perfekt dimensionierten Schaltpaddels am Lenkrad.
Range Rover Feeling auch im Evogue.
Jeder der schon mal einen Rangie bewegt hat und davon angetan
war, wird sich auch im Evogue pudelwohl fühlen. Komfortabel
aber dennoch nicht butterweich gedämpft bügelt der kleine Range
Rover auch schlechte Straßen (oder Nicht-Straßen). Dabei hat
Land Rover dem jüngsten Spross auch ein halbwegs sportliches
Kurvenverhalten angedeihen lassen. Dank präziser Lenkung,
geringer Seitenneigung und den fein ausgeformten Sitzen gehts
flott durch Biegungen aller Art. Der Evogue bereitet definitiv
jede Menge Fahrfreude.
Schneefräse mit hohem Spaßpotential
Über die
Offroad-Qualitäten des
Evogue haben wir schon berichtet. Das würdevolle Befahren
einer Schneefahrbahn gehört für den Evogue da eindeutig zu den
leichtesten Übungen. Terrain Response auf "Schnee" und los
gehts - ach ja, lenken und bremsen sollte man noch.
Fazit
Dass sich Land Rover überhaupt die Produktion des Evogue
getraut hat, ist eigentlich schon eine Kaufempfehlung wert. Wer
sich demnächst ein SUV zulegen will, sollte unbedingt auch ein
Auge auf den Range Rover Evogue werfen. Preislich kaum höher
angesiedelt als X1 und Q3 erhält man das deutlich schneidigere
Design, feine Verarbeitung und ein technisch perfektes
Komplett-Paket, welches auch den einen oder anderen
Offroad-Ausflug mit Bravour meistert.
Range Rover Evogue Coupé 2,2 SD4 Automatik
Technische Daten / Preis:
Motor: 4-Zylinder Commonrail Turbodiesel 2179 ccm
Leistung: 190 PS bei 3500 Umin
Drehmoment: 420 Nm bei 1750 Umin
Testverbrauch (Mix): 8,8 Liter Diesel / 100 km
Vmax: 195 km/h
Beschleunigung: 8,5 Sekunden auf 100 km/h
Basispreis: EUR 45.000,-
Testwagenpreis: EUR 54.252,- inkl. Technik-Paket
(E-Ledersitze, Soundsystem, Freisprecheinrichtung,
18-Zoll-Bereifung, Winterpaket, Sichtpaket, Parkhilfe-Paket,
Panorama-Glasdach, Keyless-Entry, Metallic
Verfasser: g.b. Fotos o.w.
Bericht vom 21.12.2011