FAHRBERICHT

Winterkönigs Wunderschlitten

Der Geist des Ur-Quattros weht auch durch den neuen A6 - zumindest was die Traktion auf Schnee angeht. Sonst ist alles eitel Luxus.

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Alles begann in den wilden Achzigern. Damals beschloss Audi - genauer gesagt ein gewisser Ferdinand Piech - den Allradantrieb aus seiner Offroad-Ecke zu holen. Das Kind dieser Geschichte ist jedem bekannt: der Audi Quattro. Damals noch ein wildes Sportcoupé mit unbändiger Traktion und Rallye-Genen.

Aus dem wilden Ur-Quattro ist eine Ausstattungsvariante geworden.
Mittlerweile lässt sich jeder Audi mit Quattro-Antrieb ausstatten. Natürlich wird in den meisten Fällen ein saftiger Aufpreis fällig. Oder man greift gleich zu den ohnehin teuren Spitzenmodellen der jeweiligen Baureihe, dann ist Quattro meistens schon serienmäßig an Bord. So auch im getesteten Audi A6 3,0 TDI quattro.

Die unbändige Traktion des Ur-Quattros hat es bis in die Neuzeit geschafft.
Mit den richtigen Gummis - in unserem Fall fette 255er-19-Zoll-Winterlamellenreifen - gibts on road auch heutzutage keine Ausreden mehr. In unserem Fall sorgte ein veritabler Wintereinbruch mit massivem Schneefall für unerwartet herausfordernde Testbedingungen. Die größte Herausforderung dabei war aber nicht das Fahren auf Schnee, sondern das Abräumen des riesigen A6 von den Schneemassen. Für solche Fälle empfiehlt sich ein passender Besen, der aber locker im voluminösen Kofferraum Platz hat.

Auf der Schneefahrbahn eine Macht.
Am Auffälligsten ist die Unauffälligkeit. Man fährt einfach - egal wie glatt die Straße ist. Der Wagen verkrallt sich richtiggehend mit der Fahrbahn - die Audi-Werbung mit dem Gekko entspricht durchaus der Realität. Die Physik kann zwar auch Audi nicht komplett wegknipsen, aber zumindest werden die Grenzen in eine Richtung verschoben, die für den Durchschnittsfahrer nicht mehr packbar ist.

Sportliche Fahrer erwartet eine spaßorientierte Auslegung.
Der leichte Hang zum Übersteuern schreckt aber höchstens den Beifahrer aus seinem Schönheitsschlaf. Fühlt sich toll an, bleibt aber stets im harmlosen Bereich. Auf schneefreier Fahrbahn geht das Ganze in komplett neutrales Kurvenverhalten über - schön, wenn man "Adaptive Drive" an Board hat, dann kann man sich die Fahrabstimmung seines A6 auch noch perfekt nach den eigenen Vorlieben zusammenstellen. Die Lieblingskonfiguration spielt man sich dann bei Bedarf wieder ein.

Derweil draußen der Blizzard tobt genießt der Fahrer die Lounge-Atmosphäre.
Am liebsten würden wir uns eine Kamin-Animation am großen Bildschirm einspielen, während wir einen großartigen Rotwein dekantieren, uns an den feinen Eschenholz-Intarsien ergötzen, entspannter Lounge-Musik lauschen und Gedichte ins Touch-Pad des MMI kritzeln. Man lebt einfach gut im A6. Ingolstadt at it´s best. Aber bleiben wir beim Fahren.

 

Auf der Autobahn spielt der A6 dann wieder seine ganze Hightech-Kompetenz aus.
Die Komforteinstellung des "Adaptive Drive" verwandelt den A6 in ein fahrendes Wellness-Ressort. "Adaptive Light" bemüht sich inzwischen erfolgreich, die Nacht zum Tag zu machen. Radar-Tempomat auf Reisegeschwindigkeit. Wir hängen uns im Fließverkehr ein - ab sofort wird weder Gas- noch Bremspedal benötigt. Gelenkt wird auch nur mehr bei Bedarf - Lane Assist wacht über die saubere Spurführung. Damit wir nicht komplett einschlafen, blendet uns der nette A6 immer wieder Tempolimits zwischen den Rundinstrumenten ein. Sehr nett!

Der bullige Dreiliter-Diesel macht aus dem massiven A6 einen fliegenden Teppich.
Normalerweise fast unhörbar, überrascht das massive Aggregat in der Tiefgarage mit einem leckeren, gar nicht dieseligen Klang. Kraft gibt´s generell immer und überrall in Überfluss - auffällig wird der Motor nur, wenn er dank Start-Stop Automatik an der Ampel abstirbt. Auf dieses Feature könnten wir zwar verzichten - dennoch verdanken wir ihm zum Teil diese unrealistisch anmutenden Verbrauchszahlen, mit welchen uns der A6 3,0 TDI immer wieder überraschte. Durchschnittswerte um die 6,5 Liter Diesel trotz winterlicher Temperaturen für ein 245 PS-Fahrzeug mit 7-Gang S-tronic und quattro sind schlicht der Hit.

Schnörkellos, elegant und komplett humorlos.
Gegen den geradlinig gestylten Audi wirkt selbst ein Fünfer-BMW verspielt. Ob es Audi mit seiner optischen Gleichmacherei übertreibt sei dahingestellt. Uns jedenfalls hat der A6 ausnehmend gut gefallen - Single Frame und LED-Lidstrich waren selten so gut in einen Audi integriert wie hier. Obwohl der Audi dank verstärktem Alu-Einsatz zu den Leichteren seiner Klasse zählt, wirkt der Wagen optisch wie haptisch schwer und würdevoll, wie kaum ein anderer.

90.000 und kein Ende.
Unser "oolonggrauer" A6 war mit allerlei Leckereien ausgestattet. Luftfederung, "Adaptive Drive", "Adaptive Light", Assistenz-Paket, Bose Sound, großes Navi, MMI Touch, 19-Zoll Räder, Rückfahrkamera, Leder Komfortsitze und und und... ergibt dann satte 90.654,28 Euro. Widmet man sich noch eindringlicher der Aufpreisliste, wird aber schnell klar, dass auch die magische 100.000er Grenze gar kein Problem darstellt - da wären noch LED Scheinwerfer, Nachtsichtgerät oder der Griff zum vielleicht noch hübscheren Avant. Geld müsste man haben!...


Audi A6 3,0 TDI quattro
Technische Daten / Preis:
Motor: V6 Commonrail Diesel, 2967 ccm
Leistung: 245 PS
Drehmoment: 500 Nm / 1400 - 3250 Umin
Getriebe: 7-Gang S-tronic Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Vmax: 250 km/h abgeregelt
0 - 100 km/h: 6,1 Sekunden
Verbrauch kombiniert: 6,0 Liter Diesel / 100 km
Basispreis: EUR 57.500,-

Fahrbericht: Winterkönigs Wunderschlitten
Verfasser: g.b. Fotos g.f. / g.b.
Bericht vom 24.01.2012

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